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TEST: Nikon D750 – Spiegelreflex mit 24-Megapixel-Vollformatsensor

  • Nikon D750 – 2150 Euro
    (Preise Stand November 2014)

Nikon will's wissen: Während andere Hersteller wie Sony ihre kompakte Systemkamera-Linie ausbaut, setzt Nikon voll aufs Vollformat. Mit der D750 bringt Nikon in diesem Jahr nun schon das dritte Modell dieser Klasse auf dem Markt. Klar die D610 und D810 waren nur kleine Updates zu den Vorgängermodellen, aber immerhin. Nikon will damit offensichtlich das Top-Segment in der Spiegelreflexklasse stärker besetzen als zuvor. Denn der Mitbewerber Canon hält sich eher zurück. Das letzte Vollformt-Modell war die EOS 6D, die jetzt aber auch schon seit rund zwei Jahren auf dem Markt ist. Ebenso die EOS 5D MkIII die schon mehr als zwei Jahren in den Regalen liegt.

Mit den Modellen D610, D750 und D810 deckt Nikon nun einen großen Bereich im Vollformat-Segment ab. Die D610 ist quais das Einstiegsmodell mit 24-Megapixeln-Sensor, die D750 die Mittelklasse, ebenfalls mit 24-Megapixel-Sensor aber mehr Ausstattung und die D810 mit 36-Megapixel-Sensor die Top-Klasse. Für die Profis und High-Speed- und Low-Light-Fanatiker gibt es dann noch die D4s und die Nostalgiker kommen mit der Df auf ihre Kosten. Macht summa sumarum fünf Vollformatkameras um Sortiment von Nikon. 

Wer vor der Entscheidung steht, eine der Kameras zu kaufen, wird sich wohl vor allem fragen, was die Unterschiede zwischen D610 und D750 sind. Klar ist, dass die D810 mit ihren 36 Megapixeln Spitze ist, was die Detailwiedergabe anbelangt. Wer darauf also besonderen Wert legt, kommt um diese Kamera nicht herum. Ein wesentlicher Unterschied zwischen der D610 und der D750 ist der Monitor. Während der bei der D610 fest eingebaut ist, lässt er sich bei der D750 ausklappen. Ein weiterer Pluspunkt de D750 ist das eingebaute WLAN-Modul. Allerdings kann die Kamera damit nicht ferngesteuert werden, sondern es lassen sich nur Bilder von der Kamera auf Smartphone, Tablet-PC oder Computer übertragen. Was die Hardware anbelangt sind das die beiden wichtigsten Unterschiede.

Videofunktionen

Kommen wir nun zu den Unterschieden in der Software. Hier legt Nikon vor allem bei den Videomöglichkeiten nach. Die D750 zielt damit auch in Richtung Videografen. Punkte die hier eine Rolle spielen sind vor allen die Bildwiederholfrequenzen von 50p und 60p bei voller HD-Auflösung (1920 x 1080 Bildpunkte). Die D610 brachte es auf 30p bei voller HD-Auflösung. Was Nikon der D750 allerdings nicht spendiert hat, ist 4k-Video. Eine weitere spannende Funktion für die Videografen ist die Möglichkeit der Blendenverstellung während der Videoaufnahme. Hierzu lassen sich die beiden Tasten auf der Vorderseite der Kamera entsprechend programmieren. Drückt man dann während der Videoaufnahme auf die Fn-Taste, schließt sich die Blende langsam, drückt man auf die Abblendtaste, öffnet sich die Blende langsam. So ist es möglich während einer Videoaufnahme die Schärfentiefe zu vergrößern oder zu verkleinern. Um dabei die Belichtung konstant zu halten, verändert die D750 den ISO-Wert während der Blendenfahrt. So ist es möglich die Belichtungszeit auf den passenden Wert zu stellen, der dann auch konstant bleibt. Mein Test der Funktion hat allerdings gezeigt, dass es zu minimalen Helligkeitssprüngen kommt, wenn der ISO-Wert angepasst wird. Schade ist, dass sich die Geschwindigkeit, mit der sich die Blende öffnet und schließt, nicht anpassen lässt.

So sehr Nikon die Videofunktionen auch verbessert und darauf einen Schwerpunkt legt, so bedauerlich ist es, dass einige für Profis interessante Funktionen nicht vorhanden sind. So gibt es beispielsweise keine Peaking Funktion. Die ist beim manuellen Scharfstellen wichtig und erleichtert das Fokussieren erheblich. Auch Funktionen die es leichter machen, Überbelichtungen zu erkennen, fehlen – zum Beispiel das sogenannte Zebra. Vergleicht man das mit Systemkameras wie der Sony Alpha 7S oder Panasonic Lumix DMC-GH4, so hat Nikon zwar deutlich aufgeholt, die Konkurrenten aber noch nicht eingeholt. Immerhin – und das ist sehr positiv – hat die D750 alle wichtigen Anschlüsse: Mikrofon, Kopfhörer und HDMI. Selbstverständlich gibt die Nikon üder den HDMI-Ausgang ein Live-Bild aus, sobald sich die Kamera im Live-View-Modus befindet. 

Autofokussystem

Eine weitere Verbesserung gegenüber der D610 ist das Autofokussystem. Die hatte noch 39 Messfelder, während die D750 nun 51 Messfelder hat. Nicht nur die Zahl der Messfelder wurde erhöht, sonder es ist noch eine zusätzliche Autofokus-Variante dazu gekommen,, die sogenannte Messfeldgruppensteuerung. Dabei werden um den Haupt-Messpunkt weiter Fokuspunkte aktiviert, die quasi als Hilfspunkte fungieren. So kann die Kamera auch dann noch auf das Motiv scharf stellen, wenn es nicht perfekt auf dem Haupt-Messpunkt liegt. Bei meinen Tests klappte das sehr gut, wobei auch mit dem normalen Messverfahren die Trefferquote schon sehr hoch ist.

Wenn wir schon beim Thema Autofokus sind. Nikon-Fotografen wissen, dass man mit eine Druck auf die info-Taste rechts neben dem Kontrollmonitor die wichtigsten Kameraeinstellungen auf dem Monitor angezeigt bekommt. Drückt man nun eine Taste wie beispielsweise die ISO-Taste links neben dem Monitor, werden die möglichen Einstellungen auf dem Bildschirm angezeigt. Das ist bei der D750 auch so, allerdings wird das Ganze etwas übersichtlicher dargestellt. So wird nun klar gezeigt, mit welchem der beiden Drehräder welche Funktion eingestellt werden kann. Um beim Beispiel ISO zu bleiben: Mit dem vorderen Drehrad am Griff wird zwischen normaler ISO-Einstellung und ISO-AUTO umgestellt, mit dem hinteren über der Daumenstütze der ISO-Wert eingestellt. So weit so gut. Das funktioniert auch bei allen anderen Einstellungen, nur nicht beim Autofokus – oder zumindest nicht vollständig. Was sich einstellen lässt ist die Art der Autofokusmessung – Anzahl der Messfelder, Größe der Messfelder, 3D – und der Messmodus – AF-S (Einzelautofokus), AF-C (kontinuierlicher Autofokus), AF-A (automatische Wahl des Autofokusverfahrens). Das wird auch schön übersichtlich auf dem Display angezeigt, sobald man den kleinen Knopf auf der Vorderseite der Kamera am Fokushebel drückt. Möchte man nun aber die Autofokusfelder verschieben und drückt dazu den Vierwegeschalter rechts neben dem Kontrollmonitor, so wird das Verschieben des AF-Punktes nicht auf dem Bildschirm angezeigt. Das sieht man nur, wenn man durch den Sucher schaut. Dort werden die gewählten Autofokuspunkte mit einem kleinen roten Rechteck angezeigt.

Was hat sich noch geändert? Nicht so wichtig, aber dennoch der Vollständigkeit halber: Die Serienbildgeschwindigkeit ist von 6,0 auf 6,5 Bilder pro Sekunde gestiegen. Außerdem lassen sich jetzt Belichtungsreihen mit bis zu neun Bildern machen – bei der D610 waren es noch drei. Ach ja, wer nicht auf Anhieb weiß, wie man die Belichtungreihen einstellt – auf der Kameravorderseite unter dem Blitz ist ein kleiner Knopf, der mit BKT (Bracketing) beschriftet ist. Den einfach drücken und dann mit dem vorderen und hinteren Drehrad die Zahl der Aufnahmen und den Blendenabstand einstellen. Nach den nun nicht so ganz wichtigen Punkten, ein wichtiger: Die ISO-Empfindlichkeit. Hier legt die D750 eine Blendenstufe zu und kommt auf einen maximalen ISO-Wert von ISO 12800. Bei der D610 muss man sich mit ISO 6400 begnügen. Im erweiterten ISO-Bereich geht die D750 dann entsprechend bis ISO 51200 (Hi2), während die D610 nur bis ISO 25600 geht. Beide bieten als niedrigsten Wert ISO 50 in der Einstellung Lo1.

Soweit die wichtigsten Unterschiede zwischen der D610 und D750.

Tasten und Bedienung

Nimmt man die Nikon D750 in die Hand, liegt sie perfekt in der Hand. Die D750 bringt 840 Gramm auf die Waage – inklusive Akku und Speicherkarte, aber ohne Objektiv. Der Griff ist ergonomisch geformt, die Oberfläche fühlt sich perfekt an – nicht zu glatt, nicht zu rutschig, nicht zu klebrig. Die ausgeprägte Daumenstütze auf der Rückseite bietet viel Halt. Selbst mit einem etwas schweren Objektiv kann man die Kamera gut und sicher halten. Die beiden bereits erwähnten Drehräder – eins auf der Rückseite über der Daumenstütze, eins auf der Vorderseite unter dem Auslöser – lassen sich gut erreichen und drehen.

Auf der linken Oberseite der Kamera ist das Programmwahlrad. Dies übrigens ein Unterschied zur D810, die kein Programmwahlrad hat sondern nur die EInstellung P, A, S und M. Mehr hat da die D750 zu bieten. Neben diesen Belichtungsprogrammen gibt es die Bild-Effekte (EFFECTS), zwei individuelle Programme (U1 und U2), die Motivprogramme (SCENE) sowie die Vollautomatik (AUTO). Unter dem Programmrad gibt ein Wahlrad für die verschiedenen Aufnahmemodi: S (Single = Einzelaufnahme), C-L und C-H (Continous Low und High = langsame und schnelle Serienaufnahme), Q und Q-C (Quiet und Quiet-Continous = Leise und Leise-Serienaufnahme), Selbstauslöser (die Vorlaufzeit wird im Menü eingestellt) und M-UP (Mirror Up  = Spiegelvorauslösung).

Auf der rechten Oberseite der Kamera ist das große Display auf dem die wichtigsten Einstellungen angezeigt werden. Dazu gibt es die Aufnahmetaste für Video, sowie eine Taste für die Belichtungskorrektur und eine für die verschiedenen Belichtungseinstellungen – Spotmessung, Mittenbetont oder Integral. 

Ansonsten dürften Nikon-Fotografen sich schnell zurecht finden. Links neben dem Bildschirm fünf Tasten, darüber die Wiedergabe- und die Löschtaste. Rechts neben dem Bildschirm ist der große Vierwegeschalter, darunter der Lv-Knopf, mit dem die Live-View-Anzeige aktiviert wird und zwischen Foto und Video umgeschaltet wird. Über dem Vierwegeschalter ist die info-Taste. Rechts neben dem Sucher die AE-L/AF-L-Taste.

Auf der Vorderseite der Kamera ist dann wieder der Kombischalter für den Wechsel zwischen MF (manuellem Fokus) und AF (Autofokus) sowie der Taste, mit dem sich die verschiedenen Fokus-Modi wählen lassen. Dazu einfach den kleinen Knopf drücken und entweder mit dem vorderen oder hinteren Drehrad, die gewünscht Funktion einstellen. Dabei wird mit dem hinteren zwischen AF-S (Autofokus Single = Einzelautofokus), AF-C (Autofokus Continous = kontinuierlicher Autofokus) und AF-A (Autofokus automatisch) gewechselt. Mit dem vorderen kann dann die Messfeldsteuerung gewählt werden. Außerdem findet sich auf der Vorderseite noch die BKT-Taste, zum Einstellen der Braketing-Funktion (Belichtungsreihen) und die Blitztaste. Auf der anderen Seite der Kamera auf der Vorderseite – versteckt beim Griff – sind die Funktions- und Abblendtaste. 

Menüs

Wer bei der Nikon ein übersichtliches und kurzes Menü erwartet, der wird enttäuscht. Ruft man mit einem Druck auf die MENU-Taste selbiges auf, werden auf der linken Seite sieben Ober-Kategorien angezeigt: WIEDERGABE, FOTOAUFNAHME, FILMAUFNAHME, INDIVIDUALFUNKTIONEN, SYSTEM, BILDBEARBEITUNG und MEIN MENÜ. Am wichtigsten sind hier natürlich die beiden Aufnahmemenüs. Hier zeigt sich auch, wie ernst es Nikon mit dem Thema Video nimmt. Bislang waren die Einstellungen für Video im Fotomenü untergebracht. Die Einstellungen des System-Menüs muss man üblicherweise nur nach der ersten Inbetriebnahme der Kamera anpassen. Hier finden sich Dinge wie die Monitor-Einstellungen, Zeitzone und Datum, Sprache, Copyright-Informationen und die HDMI-Einstellungen. Außerdem können hier bis zu neun Objektivdaten hinterlegt werden, für Linsen, die nicht automatisch erkannt werden. Außerdem lässt sich hier der virtuelle Horizont aufrufen.

Im Aufnahme-Menü finden sich dann all die Einstellungen, die – wie der Name schon sagt – etwas mit der Aufnahme zu tun haben. Das wären dann also die Bildqualität (JPEG, TIFF, NEF und Kombinationen aus NEF und JPEF), die JPEG- und TIFF-Einstellungen (Bildgröße und JPEG-KOmprimierung), die NEF-(RAW)-Einstellungen (Bildgröße, Kompromierung und Farbtiefe 12 oder 14 Bit), der Weißabgleich, Picture Control (auch als Farbeinstellungen bekannt – Standard, Neutral, Brillant, Monochrom, Porträt, Landschaft und Ausgewogen), der Farbraum (sRGB oder Adobe RGB), Vignettierungs- und Auto-Verzeichungskorrektur, Rauschunterdrückung bei Langzeitbelichtungen und hoher ISO, Mehrfachbelichtung sowie Intervallaufnahme.

Wie bereits erwähnt hat die D750 für die Videofunktionen ein eigenes Menü bekommen. Hier werden Bildgröße und Bildrate eingestellt, sowie die Filmqualität. Außerdem lassen sich verschiedene Mikrofoneinstellungen vornehmen. Wie beim Menü FOTOAUFNAHME kann der Weissabgleich und die Farbeinstellung (Picture Control) angepasst werden. Außerdem kann die ISO-Empfindlichkeit eingestellt werden. Bis auf die Einstellung Lo1 können alle ISO-Einstellungen bis Hi2 genutzt werden. Etwas ungewöhnlich: Die Einstellung für die Intervallaufnahme ist im Menü FOTOAUFNAHME, die Einstellung der Zeitrafferaufnahme hingegen im Menü FILMAUFNAHME.

Spannend und umfangreich wird es dann bei den Individualfunktionen. Hier gibt es sieben weitere Untermenüs (Autofokus, Belichtung, Timer/Belichtungs-Speicher, Aufnahme & Anzeigen, Belichtungsreihen & Blitz, Bedienelemente und Video). Je nachdem finden sich dann erneut mehr oder weniger Punkte in den Untermenüs. Insgesamt darf sich der Fotograf mit 54 Unterpunkten beschäftigen, die teilweise weitere Untermenüpunkte haben. Zuvor hatte ich die Funktion der elektrischen Blendensteuerung bei Videoaufnahmen bereits erwähnt – hier in den Individualfunktionen wird dies aktiviert. Im Untermenü "g Video" sind es die Punkte "Belegung der Funktionstaste (Fn)" und "Belegung der Abblendtaste". Hier muss dann entsprechend "Aufblenden" und "Abblenden" gewählt werden.

Insgesamt sind Bedienung und Menüs auf den Profi ausgerichtet. Der Amateur, der von einer einfachen Spiegelreflex oder gar einer Systemkamera auf einen solchen Boliden umsteigt, wird sich anfangs schwer tun. Hier ist eine Menge Übung und Lernen erforderlich, um mit einer solchen Kamera perfekt zu arbeiten und optimale Ergebnisse zu erhalten.

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